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1996 | Stinkwuat

von Fitzgerald Kusz

Die Familie Weidinger wäre gerne eine glückliche Familie. Aber der Ostwind treib ihr schon seit Monaten stinkende Nebelschwaden der nahegelegenen Chemiefabrik ins traute Eigenheim. Tagtäglich löst der beißende Qualm eine Stinkwut i den Familienmitgliedern aus, die sich vorerst gegen den mächtigen Chemiekonzern, gegen die Übermächtige Tageszeitung und die allmächtigen Politiker richtet. Eines Tages platzt dem Vater schließlich der Kragen, und er schickt sich an, dem Chemiekonzern das Fürchten zu lehren – bewaffnet mit einem unbändigen Haß und einer stabilen Spitzhacke. Aber nicht der heroische Krieg des „kleinen Mannes“ gegen die „Großkopfaten“ steht im Mittelpunkt des Stückes. Wie in allen seinen Texten geht es dem Auto Fitzgerald Kusz auch in „Schtinkwuat“ um die Entlarvung des kleinhäuslerischen Milieus, in dem Verlogenheit, Frustration, Besserwisserei, Egoismus und Mißgunst die treibenden Kräfte sind. In ohnmächtiger Wut schlagen die Familienmitgliede alles kurz und klein, was ihnen ein normales Zusammenleben ermöglichen könnte: Toleranz, Verständnis, Gelassenheit und gegenseitige Achtung. Respektlosigkeit, Neid, Unzufriedenheit und Lieblosigkeit dominieren die skurrile Szenerie. Gesellschaftliche und familiäre Normen stellen sich in der bitterbösen Komödie als leere Hülsen heraus. Und der Autor erweist sich in dieser überdrehten Farce als Meister des Theaters: Er läßt den Zuschauer lauthals lachend den Kampf mit seiner eigenen Unzulänglichkeit antreten. Fitzgerald Kusz lebt 52-jährig als Lehrer in Nürnberg und schreibt seine Stücke und Gedichte vornehmlich in Frankenmundart. Für den Einakter „Feig“ wurde er 1975 mit dem Hans-Sachs-Preis ausgezeichnet. Kusz wird an allen namhaften deutschsprachigen Bühnen in der jeweiligen Mundart gespielt. Besonders mit der Komödie „Schweig Bub“ gelang ihm der internationale Durchbruch. Dieses Stück brachten wir im Jahr 1994 mit viel Erfolg zur Aufführung zwei Jahren.